Aufbau Peer Support System für Linienpiloten

Die wichtigste und sinnvollste Massnahme der Germanwings Task Force ist die verpflichtende Einführung eines Peer Support Systems für Piloten. Das bedeutet, dass jeder CAT Operator seinen Piloten Zugang zu diesem nachweislich erfolgreichen Unterstützungs-angebot gewähren muss.

Wegen schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit bringen viele Berufspiloten Flugmedizinern und Luftfahrt-psychologen grosses Misstrauen entgegen, wie alle Ver-treter der Eurocockpit bestätigten. Immerhin haben beide die Macht, Linienpiloten auf unbestimmte Zeit aus dem Verkehr zu ziehen und gegebenenfalls auch ihre Laufbahn als Linienpiloten zu beenden.

Deswegen ist es sinnvoll und effektiv, wenn Piloten zuerst bei Piloten-Peers kollegialen Rat suchen können. Peers melden sich freiwillig, durchlaufen eine kurze Ausbildung und stehen ihren Kollegen mit ähnlicher Berufs-ausbildung, Arbeitsbedingungen (Lang- oder Kurzstrecke, Type-Rating, …), soziodemographischem Hintergrund (Alter, Geschlecht, Position, Seniorität, …) mit Rat und Tat zur Seite. Wichtig ist dabei die Vertrauenswürdigkeit und fachliche und soziale Kompetenz der Peer-Kollegen.

Die Peers werden von ihren Kollegen direkt gewählt. Deswegen sollte das Management z. B. nicht selbst Linienvorgesetzte zu Peers ernennen, die Wahl sollte direkt durch die Kollegen erfolgen. Das Management muss das Peer Support System für Piloten aktiv unterstützen, darf aber keinesfalls in dieses System eingreifen. Damit wäre das Vertrauen in das System zerstört.

Ein kritischer Erfolgsfaktor ist, dass Berufspiloten das Peer Support System selbst aufbauen und tragen. Darüber hinaus muss es von allen Seiten, also vom obersten Management, Human Resources, Pilotenvertretungen, Piloten, ausgebildete Peers, klinischen Luftfahrtpsychologen, etc. getragen, verstanden und unterstützt werden. Alle müssen geschult werden, wie Peer Support Systeme funktionieren, was sie bringen, und wie sowohl Piloten als auch der Flugbetrieb davon profitieren können.

In Deutschland hat Stiftung Mayday ein sehr erfolgreiches Pilot's Peer Support System entwickelt. Stiftung Mayday ist ein externer Dienstleister, bildet Peers und professionelle Unterstützer aus, und unterhält eine 24/7 Hotline. Stiftung Mayday agiert selbständig und unabhängig, bei voller Wahrung der Anonymität und Verschwiegenheit, finanziert von allen CAT Operators in Deutschland, incl. Lufthansa. Linienvorgesetzte und Management haben keinen Zugriff auf vertrauliche Daten, was bei betriebsinternen Peer Support Systemen problematisch werden kann.

Das Peer Support System muss pro-aktiv, nicht bestrafend und der „Just Culture“ verpflichtet sein. Basis für das Funktionieren ist tiefes gegenseitiges Vertrauen, absolute Diskretion, sowie Verständnis dafür, warum und wie dieses Peer Support System für Piloten funktioniert. Es soll hoch qualifizierten und geforderten Linienpiloten einen „sicheren Hafen“ bieten, wo sie in geschützter Umgebung Rat und Hilfe suchen können. Z. B. nach kritischen Ereignissen im Flugbetrieb, oder wenn sich im Privatleben schwere Schicksalsschläge (Life Events) ereignen, welche die Konzentration und Leistungsfähigkeit massiv beeinträchtigen können. Alkohol- und Drogenmissbrauch sind sehr häufige Themen im Peer Support. Zusammenfassend ist der Ablauf folgendermassen: Wenn ein Pilot an sich selbst oder an einem Kollegen realisiert, dass die psychische Beeinträchtigung oder Substanz-missbrauch die Fitness to Fly gefährdet, ist es Zeit, sich an das Peer Support System zu wenden.

Jederzeit, also 24/7 stehen den betroffenen Piloten ihre Peers zur Verfügung. Wenn ein Fall „zu heiss“ für den Peer-Piloten ist, kann er seinen Kollegen unmittelbar zu einem gut ausgebildeten klinischen Luftfahrtpsychologen „überweisen“. Dort gibt es professionelle psychologische Beratung, Krisenintervention und einen strategischen Plan, wie der Betroffene so schnell und sicher wie möglich wieder zurück ins Cockpit kann.

Wenn nötig stehen im Peer Support System auch Ärzte, Juristen und andere Fachkräfte zur Verfügung, um jede mögliche Krise so schnell und effizient wie möglich zu bewältigen. Bei Bedarf soll auch eine notwendige limitierte Auszeit im Interesse des Piloten und der Luftfahrtsicherheit ermöglicht werden. Datenschutz muss im Pilot's Peer Support festgelegt und ausnahmslos ge-währleistet sein, um ein funktionierendes Peer Support System zu ermöglichen.